20 Juni 2023

Google Stadia Premiere Edition Review (Stadia-Controller + Google Chromecast Ultra)

 

1. Überblick

Im Jahr 2019 brachte Google einen Videospiele-Streamingservice mit dem Namen Google Stadia heraus. Man konnte sich Server von Google mieten, um dort Spiele zu spielen. Dadurch musste man selbst kein Wiedergabegerät mit viel Rechenleistung besitzen, sondern das eigene Wiedergabegerät musste nur das Streamen der Inhalte unterstützen. Im Januar 2023 wurde der Service eingestellt.

Als Zusatz zu dem Streamingdienst gibt es die sogenannte Premiere Edition, die einen für diesen Anwendungszweck konzipierten Controller und einen generischen Google Chromecast Ultra zum Streamen der Inhalte für Stadia und andere Streamingservices auf ein HDMI-fähiges Gerät enthält. Die Besonderheit des Controllers ist, dass er sich direkt über WLAN mit einem Internet-Netzwerk verbinden kann. So war eine relativ direkte Verbindung zwischen dem Controller und den Google Stadia-Servern möglich. Bei herkömmlichen Controllern musste der Controller erst mit dem Wiedergabegerät verbunden werden, welches dann die Daten weitergeleitet hat.

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum ein Review zu diesem Controller nötig ist, wo die Server abgeschaltet wurden. Die WLAN-Funktion des Controllers lässt sich nicht mehr nutzen. Um keinen zusätzlichen Elektroschrott zu produzieren, gibt es von Google ein Firmware-Update für den Controller. Damit wird WLAN deaktiviert und eine Bluetooth (BLE)-Verbindung aktiviert. Somit lässt sich der Controller weiterhin als USB und Bluetooth-Controller nutzen. Ebenso lässt sich der Chromecast Ultra mit anderen Streamingdiensten als Google Stadia nutzen.

Da die Produkte für die Kombination mit der Cloud beworben wurden und es die Cloud nicht mehr gibt, werden die offiziellen Funktionen in diesem Fall nicht besprochen. Es geht direkt mit der Verpackung weiter.


2. Verpackung und Inhalt


Die Verpackung macht einen sehr wertigen Eindruck. Auf der Vorderseite des Kartons, der relativ hoch ist, sind der Controller sowie das Stadia-Logo abgebildet. Außerdem gibt es einen Hinweis darauf, dass es sich um die Premiere Edition handelt.

An den Seiten gibt es weitere Stadia-Logos sowie eine Auflistung des Lieferumfangs und weiterer Hinweise zu den Voraussetzungen für das Produkt. So werden ein kompatibles Mobilgerät und ein Google-Konto benötigt. Die Unterseite des Kartons zeigt ein Bild, wie der Controller genutzt wird.


Nachdem der Deckel der Packung nach oben abgezogen wurde, springt sofort der Controller ins Auge. Er ist ähnlich wie die XBOX-Controller in der Packung präsentiert. Unter der Pappe, die den Controller hält, befinden sich USB-Ladeanschluss, ein USB-A zu USB-C Kabel und einige Zettel: eine Schnellstartanleitung und ein Garantiezettel. Die Schriftstücke befinden sich in einer eigenen Pappbox, damit sie nicht frei in der Packung herumfliegen.

Die unterste Ebene der Box beherbergt den Chromecast Ultra mit einem Netzteil. Für eine stabilere Netzwerkverbindung hat das Netzteil des Chromecasts Ultras einen LAN-Anschluss integriert.


3. Qualität der Hardware

Bevor wir uns dem Controller selbst widmen, solle es um den Chromecast gehen.

3.1 Qualität des Chromecasts


Bei dem Chromecast handelt es sich um einen 1.5cm hohen Zylinder mit einem schrägen Rand und einem Durchmesser von knappen 6cm. Damit ist er etwas kleiner als eine Handfläche. Gegenüber der matten Rückseite hat die Oberfläche eine schwarze, reflektierende Lackierung, in die das G-Symbol eingebettet ist.
An der Oberseite des Gerätes gibt es ein mit einer Kabellänge von 7cm relativ kurzes HDMI Kabel, das in einen Fernseher oder Projektor gesteckt werden kann. Es hat einen Magneten, mit dem das Kabel beim Transport an dem Chromecast befestigt werden kann.

Die Unterseite des Streamingsticks hat einen MicroUSB-Anschluss für das Ladekabel. Einen USB-Anschluss oder weitere Verbindungsmöglichkeiten fehlen dem Chromecast. 

3.2 Qualität des Controllers

Kommen wir zum Main-Act des Paketes. Der Körper des in diesem Fall weißen Stadia-Controllers besteht aus einer Plastikschale, die aus zwei unterschiedlichen Elementen besteht. Während die obere Hälfte glatt ist und kaum Widerstand bietet, wenn die Finger über die Oberfläche rutschen, ist die Unterseite mit leichten Noppen ausgestattet. Dadurch werden rutschende Finger etwas gebremst. Der Effekt ist sehr ähnlich zu XBOX ONE Controllern. Eine gummierte Oberfläche wie bei dem XBOX Elite 2 Controller bietet jedoch deutlich mehr Widerstand. In dem Controller, der 268g wiegt, ist ein Akku fest verbaut.
Die beiden analogen Sticks, die ein oranges Gelenk haben, sind wie bei  Playstation-Controllern beide unten angeordnet. Die Köpfe der Sticks sind gummiert. Verglichen mit den Sticks von XBOX sind die Oberflächen groß aber relativ dünn. Dadurch wirken sie etwas billig.
Zwischen den beiden Sticks gibt es die Stadia-Taste, mit der der Controller eingeschaltet werden kann. Sie ist mit einer LED hinterlegt, die den Zustand anzeigt. An der Kante unter der Stadia-Taste befindet sich ein Kopfhörer-Anschluss. Darunter gibt es außerdem ein Mikrofon.
Dort, wo bei einem XBOX-Controller der linke Stick wäre, befindet sich bei diesem Controller ein Steuerkreuz. Es macht einen soliden Eindruck aber klingt etwas hohl. Selbiges gilt für die Options-, Assistant-, Menü- und Aufnahmetasten, die rechts daneben sind. Noch weiter rechts gibt es die Tasten A, B, X und Y, die wie bei einem XBOX-Controller angeordnet sind.
An der Frontseite befinden sich die beiden Schultertasten L1 und R1 sowie die beiden analogen Trigger L2 und R2. Dazwischen gibt es einen USB-C Anschluss, mit dem der Controller geladen werden kann.
Insgesamt verfügt der Controller über alle gängigen Tasten. Es gibt analoge Trigger und sogar einen Kopfhöreranschluss. Ob ein eingebauter Akku besser oder schlechter als Batterien ist, bleibt eine Glaubensfrage. Über USB kann der Controller auch betrieben werden.
Ebenso solide gibt sich der Controller, wenn er in der Hand liegt. Es gibt ein paar Kritikpunkte wie dass die Tasten relativ laut sind und dass die Oberfläche des Controllers noch mehr Maßnahmen gegen rutschende Hände haben könnte, aber der Gesamteindruck passt und Konkurrenzprodukte haben ebenfalls häufig Probleme wie laute Tasten. Der Controller liegt insgesamt gut in der Hand.


4. Inbetriebnahme

Damit der Stadia-Controller drahtlos per Bluetooth genutzt werden kann, muss er erst aktualisiert werden. Auch der Chromecast muss vor der ersten Nutzung eingerichtet werden.

4.1 Nutzung des Chromecasts

Da der Chromecast selbst keine Eingabemöglichkeiten bietet, wird für die erstmalige Installation ein Gerät mit dem Android-Betriebssystem benötigt. Dort muss die Google Home-App installiert werden. In der App kann ein Gerät, in diesem Fall der Chromecast, hinzugefügt werden. Danach können in der App ggf. die Logindaten für den WLAN-Router eingegeben werden und anschließend kann der Chromecast unabhängig vom Smartphone genutzt werden. Inhalte werden über das Miracast-Protokoll auf dem Gerät wiedergegeben.
Ohne Steuerungsbefehle zeigt der Chromecast nach dem Starten unterschiedliche Hintergründe an.
Wenn ein Video auf einem anderen Gerät angezeigt wird, kann die Wiedergabe über das entsprechende Icon in der Wiedergabeapp auf den Chromecast übertragen werden.
Die Steuerung erfolgt weiterhin über das Gerät, mit dem die Wiedergabe gestartet wurde. Viele Videoplayer, beispielsweise PC Browser und Streaming-Apps für Android, unterstützen die Wiedergabe auf dem Chromecast.

4.2 Controller-Verbindung per USB

Der Controller kann per USB genutzt werden, indem er über das mitgelieferte Kabel oder ein anderes USB-C Datenkabel mit dem Gerät verbunden wird. Der Rumbleeffekt sowie der Kopfhöreranschluss sollten problemlos funktionieren. Das Mikrofon wird in diesem Modus nicht unterstützt. Es ist möglich, dass die Tasten des Controllers nicht in jedem Spiel erkannt werden. In diesem Fall können die Eingaben mit einem zusätzlichen Programm "übersetzt" werden. Unter dem Punkt 4.5 ist eine Anleitung dafür, wie das mit der Steam-Software funktioniert.

4.3 Controller-Update

Um den Controller nach der Einstellung von Google Stadia vollumfänglich zu nutzen, ist ein Update notwendig. Damit wird die nicht mehr nutzbare WLAN-Verbindung deaktiviert und anstelle dessen eine Verbindungsmöglichkeit über Bluetooth aktiviert, sodass der Controller nach dem Update mit anderen Geräten über Bluetooth verbunden werden kann.
Für das Update gibt es zwei Optionen: entweder die offizielle Online-Methode, die nur bis Ende des Jahres funktionieren wird, oder die Standalone-Methode mit Anwendungen, die von der Community entwickelt wurden.

4.3.1 Online-Methode

Für die offiziellen Online-Methode wird ein auf Chromium basierender Browser mit der Mindestversion 108 benötigt. Außerdem sollte der Controller aufgeladen sein. Zuletzt wird ein USB-C Datenkabel benötigt, beispielsweise das Mitgelieferte.
Zum Aktualisieren wird diese Seite genutzt. Hier kann man auf "Zum Bluetooth-Modus wechseln" klicken und den Bildschirmanweisungen folgen. 
Nach dem Update kann sich ein anderes Gerät mit dem Controller verbinden. Das wird in dem Punkt 4.4 genauer beschrieben.

4.3.2 Standalone-Methode

Um den Controller unabhängig von Google-Servern zu aktualisieren, gibt es zwei Optionen. Von GaryOderNichts gibt es ein eigenständiges Tool, das in Python geschrieben wurde. Im Gegensatz dazu hat luigimannoni eine Kopie der offiziellen Seite zum Updaten des Controllers geschrieben, die entweder lokal ausgeführt oder auf dieser Seite aufgerufen werden kann. Mit beiden Optionen lässt sich neben der Installation der Bluetooth-Firmware zusätzlich die originale WLAN-Firmware wiederherstellen. Diese Anleitung befasst sich nur mit der Kopie des offiziellen Update-Tools, da die Python-Option umständlicher ist.
Zuerst muss die entsprechende Seite entweder selbst gehostet oder diese Version mit einem Chromium-basierenden Webbrowser mit der Mindestversion 108 aufgerufen werden. Die Warnhinweise auf der Seite sind zu beachten.
Auf der Seite kann "Flash your controller" ausgewählt werden. Danach muss man den Bildschirmanweisungen folgen. Um die originale WiFi-Firmware zu installieren, kann unter der "Switch to Bluetooth Mode"-Box die Option "Revert to Wi-Fi mode" ausgewählt werden.

4.4 Controller-Verbindung per Bluetooth

Nach dem Update kann der Controller wie bei vergleichbaren Geräten in den Pairing-Modus gebracht werden. Dazu können gleichzeitig die Stadia-Taste und die Y-Taste gehalten werden, bis die LED orange pulsiert. Solange der Controller sich in diesem Modus befindet, kann sich ein neues Gerät damit über BLE (Bluetooth Low Energy) verbinden. Wie ein neues Gerät am Computer hinzugefügt werden kann, hängt von dem jeweiligen Betriebssystem ab. Nachdem eine Verbindung hergestellt wurde, kann der Stadia-Controller direkt genutzt werden.
Da die Tastenbelegung nicht notwendigerweise richtig von Spielen oder Betriebssystemen erkannt wird, kann es hilfreich sein, dritte Apps zu nutzen, um die Belegung anzupassen. In dem nächsten Abschnitt wird besprochen, wie das am Computer mit der Steam-Software geht.
Obwohl der Controller nicht offiziell mit Konsolen kompatibel ist, kann er mit zusätzlicher Hardware an einer Konsole genutzt werden. Dafür gibt es Adapter, die in den USB-Anschluss einer Konsole gesteckt werden und sich mit dem Controller verbinden. Sie können die Eingaben des Controllers für die Konsole "übersetzen".

In meinen Tests hat der Akku im Bluetooth-Modus ungefähr 14 Stunden gehalten. Je nachdem, wie häufig der Controller genutzt wurde und je nach Spiel kann die Laufzeit abweichen.

4.5 Tastenbelegung mit Steam ändern

Um die Tastenbelegung einheitlich am Computer anzupassen, kann die Steam-Software genutzt werden. Ich gehe davon aus, dass die meisten Leser das Programm bereits auf dem Computer installiert haben, da die meisten PC Spiele darüber vertrieben werden.

Wenn Steam gestartet wurde, muss der Big-Picture-Modus geöffnet werden. Dafür gibt es in der rechten oberen Ecke rechts neben dem Profilbild ein Icon. In dem Big-Picture-Modus muss das Menü mit dem Menü-Button in der linken unteren Bildschirmecke geöffnet werden. Hier gelangt man durch die Auswahl von "Einstellungen" und "Controller" in das auf dem Bild gezeigte Menü.

In dem Menü gibt es für den Punkt "Geräteeingaben testen" die Option "Test beginnen". Die Tastenbelegung des Controllers kann in diesem Reiter durch die Option "Geräteeingaben einrichten" angepasst werden. Den Bildschirmanweisungen folgend werden die unterschiedlichen Tasten des Controllers korrekt belegt.
Als Letztes muss in dem Controller-Menü die Option "Steam-Eingabe für generische Controller aktivieren", wie auf dem oberen Bild gezeigt, aktiviert werden. Spiele, die mit Steam gestartet werden, sollten nun automatisch die richtige Tastenbelegung nutzen.

4.6 Tandem-Modus

Wenn der Controller über BLE genutzt wird, kann über den USB-C Anschluss ein zweiter Controller an den Stadia-Controller angeschlossen werden. Das muss nicht zwingend ein Stadia-Controller sein, weil die Eingabegeräte vieler Hersteller unterstützt werden. Damit können zwei Spieler ein Spiel steuern. Diese Funktion kann beispielsweise zur Unterstützung genutzt werden, wenn Kinder mit einigen Spielmechaniken überfordert sind.


5. Kompatibilität

Leider stehen nicht alle Funktionen in allen Anwendungsfällen zur Verfügung. Das Mikrofon des Controllers kann gar nicht im BLE oder USB Modus genutzt werden. Außerdem kann der Kopfhörer nicht im Bluetooth-Modus genutzt werden, da der genutzte Standard keine Kopfhörer vorsieht.

- Windows (Bluetooth): Rumble funktioniert nicht, sonst keine Probleme
- Windows (USB): Keine Probleme
- Android (Bluetooth): Rumble funktioniert nicht, sonst keine Probleme
- 8Bitdo USB Wireless Adapter V2: Rumble funktioniert nicht, sonst keine Probleme
- Mayflash Magic-X Adapter: Funktioniert, Hinweise von Mayflash beachten

Obwohl der Controller Rumble-Motoren hat, die im Bluetooth-Modus genutzt werden können, unterstützt sie kaum ein Gerät. Mit den Magic-Adaptern von Mayflash soll Rumble auch im Bluetooth-Modus unterstützt werden. Leider konnte ich dies noch nicht testen. Im USB Modus scheint der Controller keine größeren Probleme zu machen.


6. Fazit

Ob sich der Controller oder das Bundle heute noch lohnt, hängt stark von dem Anwendungsbereich und vom Preis ab. Der Controller selbst ist ein solider Controller mit allen wichtigen Funktionen, der gut in der Hand liegt. Bewegungssteuerung wird nicht unterstützt. Allerdings ist die Installation aufwändiger als bei anderen Controllern und ob Rumble unterstützt wird, ist Glückssache. Ob sich der Controller mit diesen Einschränkungen lohnt, hängt von dem genauen Anwendungsbereich und dem Preis ab.
Das Chromecast-Bundle lohnt sich natürlich nur, wenn man Bedarf für ein solches Gerät hat. Mehr als 40€ neu würde ich für das Bundle bzw. 30€ nur für einen neuen Controller auf jeden Fall nicht mehr zahlen.

Positiv:
- Relativ günstig (in heutiger Zeit)
- Sinnvoller Lieferumfang mit Ladekabel für Controller

Chromecast:
- Einfache Bedienung
- Unterstützt 4K
- Unterstützt LAN und WLAN

Controller:
- Liegt gut in der Hand
- Unterstützt USB und Bluetooth BLE-Verbindung
- Kopfhöreranschluss im USB-Modus
- Tandem-Modus


Neutral:
- Enthält fest verbauten Akku, der in meinen Tests ca. 14h gehalten hat


Negativ:
Chromecast:
- Benötigt Google Home App zur WLAN-Verbindung
- Nicht eigenständig nutzbar
- Benötigt zusätzliche Energiequelle
- Alles ist über HDMI verschlüsselt (auch z.B. Youtube)

Controller:
- Muss für Bluetooth-Nutzung manuell aktualisiert werden
- Rumble-Unterstützung mit Bluetooth häufig nicht funktional
- Kein Gyrosensor für Bewegungssteuerung
- Unterstützt keine Konsolen
- Tasten müssen ggf. erst konfiguriert werden

Nintendo Entertainment System-Controller Review (Nintendo Switch Online)

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