Donnerstag, 7. Juli 2022

EVERDRIVE GBA X5 Mini Review (krikzz.com)


Struktur:
1. Überblick (mit offiziellen Funktionen)
2. Qualität der Karte
3. Installation und Benutzung
4. Kompatibilität
5. Weitere Funktionen
6. Schlussergebnis

1. Überblick

In der Retrogaming-Community hat der ukrainische Flashkartenhersteller Krikzz, der die Everdrive-Serie herstellt, sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Bei Flashkarten handelt es sich vereinfacht um "Spielecartridge zu SD" Adapter. Man hat also ein "Spiel" für eine bestimmte Konsole, in das eine SD Karte mit Abbildern von Spielen, Tools, Emulatoren und mehr gesteckt werden kann. Unter den unterschiedlichen Systemen, für die es Everdrives gibt, findet sich eine Flashkarte für den Gameboy Advance: den Everdrive GBA X5 Mini.

Aufgrund des Kriegs in der Ukraine ist die Verfügbarkeit der Everdrives eingeschränkt - auch wenn sich das bereits verbessert. Ich habe meinen bei dragonbox.de gekauft. Direkt beim Hersteller kann man nur mit Kreditkarte bezahlen. Preislich liegt der Everdrive über der Konkurrenz von EZ-Flash. Hierbei muss aber beachtet werden, dass Flashkarten für den Gameboy Advance wegen der Notwendigkeit schneller Speicherchips preislich grundsätzlich über Flashkarten für den Nintendo DS liegen.

Offizielle Funktionen (von dragonbox):
- Hohe Kompatibilität - nahezu ALLE GBA-Spiele laufen!
- Unterstützt alle Arten von Speichersystemen - ohne ROM-Patching!
- Superschnelles Laden (die meisten Spiele werden in 1 - 2 Sekunden geladen
- 256Mbit PSRAM (32MByte) ROM-Speicher
- 1Mbit SRAM (128KByte) Spielstand-Speicher
- Unterstützt die Echtzeituhr
- Braucht kaum zusätzlichen Strom
- SD, SDHC und SDXC Karten werden unterstützt. Getestet mit Micro-SD-Karten mit bis zu 64GB
- FAT32-Unterstützung
- Läuft auch mit dem Gamecube Player, dem Super Retro Advance-Adapter und anderem GBA-Zubehör
- SMS, GG, NES, GB und GBC-Spiele werden durch Emulation unterstützt


2. Qualität der Karte


Da der Händler die Karte ohne eine eigens dafür angepasste Verpackung und ohne Zubehör verschickt, geht es direkt um die Karte. Der Aufkleber auf dem Modul ist ebenso vom Shop abhängig und entspricht nicht dem Design der Everdrives, die direkt beim Hersteller gekauft werden.
Der Everdrive GBA X5 Mini, der genau so groß wie ein GBA Spiel ist, hat eine transparente Plastikschale. Eine ebenso existierende graue Version ist seit Beginn des Krieges in der Ukraine nicht mehr verfügbar. Mich stört das nicht, da ich immer gerne Hardware mit einer durchsichtigen Hülle habe.
Das Plastik der Karte macht einen relativ stabilen Eindruck. Der MicroSD-Schacht befindet sich an der Oberseite und ist mit einer Feder ausgestattet, weshalb die Karte zum "rauswerfen" reingedrückt werden muss. Allgemein empfehlen sich längere Fingernägel für diesen Prozess, da die Speicherkarte relativ weit in die Karte gedrückt werden muss, bevor sie rausspringt.

Ebenso wie die EZ-Flash OMEGA-Reihe unterstützt auch diese Karte eine Real Time Clock für Spiele wie die Pokémon Teile für GBA, die Funktionen haben, die sich an der tatsächlichen Uhrzeit orientieren. Im Gegensatz zu dem Nintendo DS ist bei dem GBA keine Uhr eingebaut, weshalb sie ggf. in der Cartridge bzw. der Flashkarte enthalten sein muss. Die dafür notwendige Batterie kann relativ einfach ausgetauscht werden, es ist kein Löten notwendig.
Gemäß Messungen von dem Youtuber makho benötigt der Everdrive merkbar weniger Strom als die Module von EZ-Flash, weshalb die Batterien bei Spielesessions im Vergleich bei dieser Karte länger halten dürften. Der Unterschied kann u.a. in den zusätzlichen Funktionen der Konkurrenz begründet liegen.


3. Installation und Benutzung

Die Installation dieser Karte erinnert an die Installation von DS Flashkarten.

System installieren

Vor der ersten Verwendung müssen die Systemdateien auf die SD Karte kopiert werden. Die SD Karte muss in FAT32 oder exFAT formatiert sein. Auf dieser Seite kann die neuste Version der Systemdateien heruntergeladen werden. Zur Installation muss nun noch der GBASYS-Ordner in das Hauptverzeichnis der SD Karte kopiert werden, sodass es dort diesen einen Ordner mit seiner Unterstruktur gibt. Dazu können ROMs von Spielen, Homebrew und für die Emulatoren auf die SD Karte kopiert werden. Ein Patchen der Spiele, wie man es von älteren Karten kennt, ist nicht mehr notwendig.
In seltenen Anwendungsfällen ist eine Aktualisierung des Bootloaders notwendig. Die Updatedateien und eine Anleitung dafür gibt es hier. In der Zeit, in der dieses Review geschrieben wurde, musste ich kein Bootloader-Update ausführen.

Emulatoren installieren

Leider sind die Emulatoren, mit denen man Spiele für andere Konsolen auf dem GBA spielen kann, nicht in der Everdrive-Installation enthalten. Sie müssen selbst zusammengesucht und mit dem richtigen Namen in das Verzeichnis "GBASYS/emu" kopiert werden. Dadurch, dass die Emulatoren nicht für die Karte angepasst sind, funktioniert dort die "Exit"-Option nicht, mit der man normalerweise zurück in das Menü der Flashkarte gelangen kann.
Der richtige Name richtet sich nach der Dateiendung der ROMs. Ein Emulator für Gameboy-Spiele muss also "gb.gba" und ein Emulator für SEGA Master System-Spiele "sms.gba" heißen. Das hat zur Folge, dass der gleiche Emulator für beispielsweise Gameboy und Gameboy Color Spiele doppelt auf der SD Karte sein muss: als .gb und als .gbc Datei.
Die folgenden Emulatoren können genutzt werden. Es muss jeweils die .gba-Datei aus den Archiven umbenannt und in den emu-Ordner kopiert werden:
Die ROMs können wie GBA Spiele über den Dateibrowser des Everdrives gestartet werden, wenn die Emulatoren korrekt installiert sind. Wenn die beiden Schultertasten gleichzeitig gedrückt werden, lässt sich in den Emulatoren ein Menü mit einigen Einstellungsmöglichkeiten öffnen.
Dass man sich die Emulatoren alle selbst zusammensuchen muss, finde ich jedoch inakzeptabel. Die Linkliste aus diesem Post gibt es nicht von offizieller Seite. Bei einem Premium-Preis, den dieses Modul im Gegensatz zu EZ-Flash kostet, wäre eine bessere Dokumentation und wenigstens eine offizielle Liste mit Links und Dateiendungen für die Emulatoren notwendig. Noch besser wäre es, wenn sie wie bei EZ-Flash direkt in das OS integriert wären und auch die Exit-Option funktionieren würde. Ich halte es allerdings für möglich, dass das aus Lizenzgründen nicht geht.
Ein weiterer Aspekt, der bedacht werden muss, sind die unterschiedlichen Bildschirmauflösungen. Der Bildschirm des GBAs hat eine Auflösung von 240x160 Pixeln. Das reicht nicht, um NES Spiele (256x240 Pixel) und SEGA Master System Spiele (256x192) vollständig darzustellen. Als Folge sehen Spiele für diese Systeme häufig nicht gut aus, weil das Bild mit Tricks verkleinert oder reingezoomt werden muss. Andere Geräte eignen sich in diesem Fall besser für die Emulation.

Menü

Wenn die SD Karte fertig bestückt in der Flashkarte steckt, führt das Starten der Konsole in dieses minimalistische Menü. Es gibt eine Reihe von Ordnern und Dateien, die mit der A-Taste geöffnet werden können. Das Steuerkreuz kann zum Navigieren durch die Dateien genutzt werden. Das zuletzt ausgeführte Spiel kann direkt über die START-Taste geöffnet werden. Außerdem gibt es ein weiteres Menü, das sich mit der SELECT-Taste aufrufen lässt.
In diesem Menü gibt es einige Optionen: eine Liste von zuletzt gespielten Spielen, die Möglichkeit ein zufälliges Spiel in diesem Ordner auszuführen und einige Info- und Diagnose Tools.
Wenn ein Spiel ausgewählt wird, gibt es außerdem ein paar andere Möglichkeiten. Neben der Auswahlmöglichkeit, das Spiel auszuführen, gibt es eine Option um Informationen über die ROM anzuzeigen, Einstellungsmöglichkeiten für die ROM, einen Hex-Editor zum Untersuchen der ROM und die Option, die Datei von der SD Karte zu löschen.

Einstellungen

In den Einstellungen lassen sich die A- und B-Taste austauschen, aber nur innerhalb des Everdrive-Menüs. Außerdem kann mit der Quick Boot Option das GBA-Intro beim Starten von Spielen übersprungen werden. Im Dateibrowser lässt sich der GBASYS Ordner verstecken und es kann ausgewählt werden, ob die Dateien sortiert werden sollen.
Für ROMs können außerdem der Speichertyp ausgewählt und die Real Time Clock aktiviert werden. Der Großteil der Spiele nutzt diesen RTC Chip jedoch nicht.



Außerdem gibt es mehrere Möglichkeiten, Informationen über Spiele und das Modul anzeigen zu lassen. Zusätzlich gibt es ein Diagnose-Tool, mit dem die Komponenten der Karte kontrolliert werden können.


4. Kompatibilität

Was die Kompatibilität mit GBA Spielen angeht, ist der Everdrive GBA X5 Mini ziemlich perfekt. Bis auf Spiele, die zusätzliche Funktionen wie einen Lichtsensor benötigen, werden nur die 64MB großen GBA Video Cartridges nicht unterstützt, da die Flashkarte dafür nicht genügend internen Speicher hat. Bei Spielen, die Vibration unterstützen, entfällt der Effekt leider.
In Bezug auf die Spiele für andere Systeme hängt es natürlich davon ab, welcher Emulator genutzt wird. Die Kompatibilitätsliste gilt nur für die von mir genutzten Emulatoren in den entsprechenden Versionen.

GBA ROMs

- Asterix und Obelix XXL: Keine Probleme
- Drilldozer (Wii U VC): Keine Probleme (kein Rumble)
- Eragon: Keine Probleme
- Golden Sun (Wii U VC): Keine Probleme
- Golden Sun: The Lost Age (Wii U VC): Keine Probleme
- LEGO Knights: Keine Probleme
- Mario Kart Super Circuit: Keine Probleme
- Metroid Fusion (Wii U VC): Keine Probleme
- Pokémon Pinball Rubin und Saphir (Wii U VC): Keine Probleme (kein Rumble)
- The Legend of Zelda: The Minish Cap (Wii U VC): Keine Probleme

GBA Homebrew

- Broken Circle: Keine Probleme
- BubbleDizzy: Keine Probleme
- Celeste Classic: Keine Probleme
- GBADoom: Keine Probleme
- GBADoom 2: Keine Probleme
- Last Quest: Keine Probleme
- Open Lara (Tomb Raider): Keine Probleme (kein Rumble)
- Poomania: Keine Probleme
- Powerpig: Keine Probleme

Gameboy ROMs

- Aladdin: Einige Slowdowns
- Castlevania: Keine Probleme
- Contra: Keine Probleme
- König der Löwen: Keine Probleme
- Legend of the River King 2 (3DS VC): Keine Probleme (kein Rumble)
- Pacman (3DS VC): Keine Probleme
- Prince of Persia (3DS VC): Grafikglitches
- Tetris (3DS VC): Keine Probleme

NES ROMs

- Contra: Keine Probleme
- Crystalis: Keine Probleme
- Dragon Spirit: Keine Probleme
- Kid Icarus: Ganz leichte Audioglitches, sonst keine Probleme
- Kid Dracula: Schwarzer Bildschirm
- ROM City Rampage: Viele Grafikglitches
- Super Mario Bros: Keine Probleme
- The Legend of Zelda: Keine Probleme

NEO GEO Pocket ROMs

- Biomotor Unitron: Läuft viel zu langsam

SEGA Master System ROMs

- Alex Kidd in Miracle World: Keine Probleme
- Phantasy Star (1): Viele Grafikglitches
- Wonder Boy 3: Keine Probleme

SEGA Game Gear ROMs

- Master of Darkness: Keine Probleme
- Sonic Labyrinth: Grafikglitches
- Tails Adventures: Keine Probleme


5. Weitere Funktionen

In dem Bereich der weiteren Funktionen hat diese Karte nicht viel zu bieten. Cheats können beispielsweise nur genutzt werden, wenn beispielsweise mit einem Computer die Cheats direkt in die ROM injiziert werden. Ein eigenes Cheatmenü hat die Karte nicht. Auch Real Time Saves bzw. Savestates können mit dieser Karte nicht genutzt werden.

SRAM zum Speichern

Für GBA Flashkarten gibt es unterschiedliche Speichermethoden. Der in diesem Fall genutzte SRAM benötigt eine dauerhafte Stromversorgung von der in die Karte eingebauten Batterie. Sobald die Karte erneut gestartet wird, wird der Zustand des SRAMs auf die SD Karte übertragen. Falls die Batterie leer ist, kann die Karte nicht mehr ordentlich speichern und der letzte Speicherstand geht verloren.

Real Time Clock (Uhr)

Einige Spiele für den Gameboy Advance unterstützen eine in die Cartridge eingebaute Uhr, um beispielsweise zeitabhängige Events zu unterstützen. Zu diesen Spielen gehören die Pokémon Teile der Hauptreihe und die Boktai-Reihe. Eine solche Uhr ist in diese Cartridge integriert und wird von der Batterie in der Karte betrieben. Im Gegensatz zu den Modulen von EZ-Flash wird die Uhrzeit leider nicht im Menü der Flashkarte angezeigt.
Da die Uhrzeit nicht isoliert ist, kann es bei unterschiedlichen Spielen, die die Echtzeituhr nutzen, zu Problemen kommen, wenn sie parallel gespielt werden.

Quality of Life-Features

Über die bereits genannten Funktionen hinaus bietet diese Flashkarte ein paar nennenswerte Quality of Life-Features. Mit einer Diagnose-Funktion kann die Funktionalität der Hardware überprüft werden, was bei der Fehlerfindung helfen kann. Außerdem gibt es die Möglichkeiten, das zuletzt ausgeführte Spiel direkt zu starten oder sich eine Liste mit den zuletzt genutzten Spielen anzeigen zu lassen. Falls die Entscheidung schwer fällt, welches Spiel als nächstes ausprobiert werden soll, kann darüber hinaus die Option genutzt werden, ein zufälliges Spiel in dem Ordner zu starten. Solche Funktionen empfinde ich immer als sehr praktisch.


6. Schlussergebnis

An einigen Stellen mag dieses Review etwas kleinkariert wirken. Die Grundfunktionen einer GBA Flashkarte erfüllt der Everdrive GBA X5 Mini ohne Probleme. Es können fast alle GBA Spiele und Homebrew gespielt und gespeichert werden. Das konnten die Karten auch schon größtenteils vor 15 Jahren. Mit einer RTC und in den Kernel integrierten Emulatoren wird der Funktionsumfang des Everdrives sinnvoll ergänzt.
Weshalb ich von dem Everdrive mehr als von der einen oder anderen Karte erwarte, ist der hohe Preis, der irgendwo gerechtfertigt werden muss. Der einfache Aufbau des Menüs hat einen gewissen Retro-Charme, der allerdings eher zum originalen Gameboy passt und für den Gameboy Advance nicht wirklich zeitgemäß ist. Grundlegende Funktionen wie Softreset, Real Time Save und Cheats fehlen einfach. Im Vergleich zu der Konkurrenz mit der EZ-Flash OMEGA Definitive Edition, die etwas günstiger als der Everdrive ist und alle aufgezählten Funktionen unterstützt, wird eine Legitimation des Preises noch schwieriger. Der Everdrive hat zwar einen geringeren Energieverbrauch aber dafür hat das aktuelle EZ-Flash Top-Modell eine Vielzahl an zusätzlichen Funktionen.
Der Everdrive bleibt damit eher ein Produkt für eine Randgruppe, für die der Preis unerheblich und der geringere Energieverbrauch sehr wichtig ist. Aus fast allen anderen Perspektiven ist die EZ-Flash OMEGA Definitive Edition dieser Flashkarte überlegen.

Positiv:
-Keine Software zum Patchen nötig: fast Plug and Play
-Unterstützt fast alle Spiele
-Kernel unterstützt Emulatoren für Gameboy, NES, GameGear usw.
-Geringer Energieverbrauch
-Unterstützt Speicherkarten mit FAT32 und exFAT mit bis zu 128GB Speicherplatz
-Lädt Spiele sehr schnell
-Real Time Clock
-Batterie für Speichern & RTC austauschbar
-Gute Hardware-Qualität

Negativ:
-MicroSD muss mit bspw. Fingernagel entfernt werden
-Ziemlich teuer
-Sehr einfache Benutzeroberfläche
-Emulatoren müssen einzeln zusammengesucht werden
-Keine Cheats
-Kein Real Time Save/ Savestates
-Kein Zubehör im Lieferumfang
-Keine Version in halbierter Länge für DS Lite
-Unterstützt keine DS Spiele
-Teilweise schlechte Dokumentation


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